Westwind Hamburg e.V. – Fahrräder für Flüchtlinge

-- wie alles begann .. --

Im Sommer 2015 stieg die Zahl der in Hamburg ankommenden Geflüchteten stetig an. Im Mai waren es bereits gut 10.000 schutzsuchende Menschen – am Ende des Jahres sollten es fast 40.000 sein. Doch das ahnte im Frühsommer noch niemand. Wir, Carmen Wilckens und Christian Großeholz überlegten schon früh, wie wir helfen könnten. Im Juli hatten wir die Idee, Geflüchteten Fahrräder zur Verfügung zustellen, um ihnen Mobilität und damit erste wichtige Schritte zur Integration zu ermöglichen. Die ersten Spendenräder wurden von Christian organisiert, fit gemacht und an Geflüchtete aus seiner Nachbarschaft weitergegeben. Im August riefen wir die Facebook Gruppe Westwind – Fahrräder für Flüchtlinge ins Leben. Und mit ihr wuchs Westwind stetig und aus der Idee wurde eine Initiative. Binnen kürzester Zeit konnten wir viele Unterstützer gewinnen. Eine Webseite wurde erstellt, Flyer gedruckt und ein rudimentäres System zur Verwaltung der Spenden entwickelt.

In den ersten turbulenten Monaten hatte Westwind noch keine eigene Adresse. Ehrenamtliche Unterstützer holten Spendenräder aus ganz Hamburg ab, lagerten diese in privaten Kellern, Garagen, Hinterhöfen und Wohnungen. Nach Feierabend und am Wochenende wurde dann geschraubt. Ab November fand Westwind Unterschlupf in der Produktionsschule Eimsbüttel am Basselweg. Dort durften gelegentlich offene Werkstatt-Termine am Wochenende angeboten werden. Väter aus der nahe gelegenen Flüchtlingsunterkunft am Grandweg konnten abends unter Anleitung die Räder ihrer Kinder reparieren oder tauschen. Eine kontinuierliche Nachfrage aus den Unterkünften gab es damals jedoch noch nicht. Wichtige Stütze der jungen Initiative war Ovid Heeckt von der Kleiderkammer der Unterkunft Dratelnstraße. Ovid nahm die Westwind Räder gerne, an jedem Wochentag und zu jeder Tageszeit an; in den Monaten zwischen Oktober 2015 und Februar 2016 brachte Westwind weit über 100 Räder in die Dratelnstraße!

Im Dezember konnten die Unterstützer aus der Flüchtlingsszene Ute Groll und Theresa Jakob, einen ausrangierten Bürodoppelcontainer für Westwind organisieren. Jan Henker, der damalige Chef des Centermanagements der Rindermarkthalle St.Pauli wurde überzeugt, Westwind einen Standplatz auf dem Parkplatzgelände zu überlassen. Die Kosten für Transport und Aufstellung übernahm RW Karo und gab Westwind damit richtig Rückenwind! Im Januar 2016 wurden die Container dort aufgestellt und fungieren seitdem als Werkstatt, Spendenannahme und Ausgabeadresse der fertigen Räder. Für mobile Spendenannahme und Auslieferung der fertigen Räder haben wir seit April einen Transporter.

Um uns zu stabilisieren und zu professionalisieren, wurde im Dezember 2015 die Gründungsversammlung eines Vereins einberufen sowie im Januar 2016 Gemeinnützigkeit und Eintrag ins Vereinsregister beantragt. Seit Mai 2016 ist Westwind Hamburg e.V. als gemeinnütziger Verein anerkannt .

Rund 800 Spendenräder haben wir seit unserer Gründung vor einem Jahr bekommen. Davon haben wir schon rund 600 Räder wieder fahrfertig und verkehrssicher gemacht und an Erst- und Folgeunterkünfte oder direkt an einzelne Geflüchtete ausgegeben. Beim durchschnittlichen Wert eines unaufgearbeiteten Spendenrades von 50,- € und dem durchschnittlichen Wert eines aufgearbeiteten Rades von 150,- € ergibt sich ein Mehrwert von 100,- € pro Rad. Schon bis heute hat Westwind Hamburg e.V. also Werte von 60.000 € geschaffen – nicht mitgerechnet den unbezahlbaren Gewinn für Menschen unterschiedlichster Herkunft und verschiedenster Kulturen und Qualifikationen an gemeinsamer Erfahrung, Problemlösung und Lebensfreude.

Für die Zukunft planen wir gemeinsam mit Geflüchteten noch viel mehr Fahrräder instandzusetzen. Zusätzlich planen wir mit unserem Transporter das Konzept einer „rollenden Fahrradwerkstatt“ in den Unterkünften. An unserem Standort an der Rindermarkthalle werden die im Moment drei „Schrauberplätze“ von engagierten Geflüchteten gut angenommen. Wir wollen Geflüchteten zukünftig auch echte Praktika - in Kooperation mit Arbeitsagentur und W.I.R. - zur Berufsorientierung anbieten. Dafür suchen wir derzeit größere Räumlichkeiten: eine echte Werkstatt mit ca. zehn Schrauberplätzen. Wer bei uns morgen Fahrräder instand setzt, könnte das übermorgen ganz normal bezahlt in einem Fahrradladen tun und damit in Hamburg richtig „ankommen“. Dann würde der Westwind die Menschen richtig antreiben – hin zur Arbeit, hin zum selbst verdienten Lebensunterhalt und hin zum gleichberechtigten Leben in unserer Stadt.

Westwind lebt weiterhin Integration 

Ride On !